Im November 1941 begann der brit. General Cunningham die so genannte
Operation "Crusader", um einerseits das belagerte Tobruk
zu entsetzen, andererseits die Truppen der Achsenmächte östlich
der Festung vernichtend zu schlagen. Hauptträger der Offensive
waren die Panzer der 7. brit. Panzerdivision, genannt "Wüstenratten".
Unser Stuart - bei den Briten liebevoll "Honey" genannt
- stammt aus US-amerikanischer Produktion. Diese Materiallieferungen
unterstützten bereits einige Zeit vor dem Kriegseintritt der
Vereinigten Staaten das Empire massiv. Die Kennung des leichten Panzers
weist ihn zur 8th King´s Royal Irish Hussars der 4. Panzerbrigade
gehörend aus, die Teil der 7. PzDiv waren.
Typisch für britische Offiziere der Aufklärungstruppe (Hussars)
war deren "Mode", die rote Mütze der Ausgangsuniform
auch im Gefecht zu tragen.
Der italienische Gegenspieler ist ein Panzer des Kommandos des 9.
Panzerbataillons der Division "Ariete". Diese Division war
an der westlichen Flanke von Rommels Truppen eingesetzt und geriet
zwischen dem 26. und 28. Nov. im Rahmen der Rückzugskämpfe
Richtung Sidi Rezegh (südöstlich Tobruks) des öfteren
mit der britischen 7. PzDiv. aneinander, welche sich nach den großen
Verlusten am 23. Nov (Schlacht am "Totensonntag") wieder
umgruppiert und nun ihre Angriffe Richtung Tobruk erneut aufgenommen
hatte.
Nur
wenige Stuarts überstanden den 23. November und bis heute ist
man sich über die genauen Verluste auf beiden Seiten im Unklaren.
Vor allem die Versorgungsdienste der Achsenmächte konnten häufig
ihre Kampftruppen nicht finden. So ist es kein Wunder, dass die unübersichtlichen
Kampfhandlungen oft die Bergung abgeschossener Panzer und deren Besatzungen
durch eigene Kräfte verhinderten. Somit kam auch für diese
Italiener jede Hilfe zu spät. Der glücklichere britische
Stuart-Kommandant wird seine Aufmerksamkeit wohl bald wieder dem Schlachtfeld
widmen
Der Zusammenbau der Modelle:
Der Stuart/Honey
Wie
schon erwähnt ist der Bausatz von Academy sehr gut gelungen.
Die beiden Ätzteilsätze sind jedoch für die maßstäbliche
Darstellung der Kettenbleche und diverser Kleinteile, wie beispielsweise
die MG-Kühlmäntel und die Kanisterhalterungen ganz gut zu
gebrauchen. Etwas unnötig erscheint mir allerdings die große
Anzahl an Innenraumdetails. Nach Fertigstellung des Modells ist davon
nichts mehr zu sehen.
Leider passen die geätzten Seitenschürzen nicht korrekt,
was einiges an Nacharbeit erfordert. Vorsicht ist auch geboten, um
die passenden Teile für die britische Version des Panzers herauszufinden.
Vor allem der umfangreiche Bauplan des Eduard-Satzes sollte daher
genau studiert werden.
Nur für Modellbau-Masochisten ist die, im Bausatz enthaltene
Einzelgliederkette aus Spritzgussteilen: der Zusammenbau von je 3
Teilen pro Kettenglied und das genaue Ausrichten sollte man nur seinen
Feinden wünschen. Gut, dass die ebenfalls beigelegte Vinylkette
sehr gut detailliert ist. Man kann sie daher getrost verwenden. Einige
der Originalfotos des Honeys zeigen eine Zweifarbentarnung, daher
habe ich das hier gezeigte Schema gewählt. Auf eine hellgraue
Grundierung wurden mit der Airbrush erdfarbene Streifen als Vorschattierung
aufgespritzt. Ein 50:50-Mix aus Tamiya XF 60 (Dark Yellow) und XF
57 (Buff) wurde mit ca. 10 % Weiß ergänzt.
Mit
der Airbrush habe ich diese Farbmischung nicht deckend aufgetragen,
sodass die Vorschattierung nicht verloren geht. Die zweite Tarnfarbe
wurde aus XF 63 (German Grey), XF 62 (Olive Drab) und XF 4 (Yellow
Green) zu gleichen Teilen gemischt. Das Muster wurde mittels Tamiya-Abdeckband
geklebt und anschließend die 2. Farbe aufgespritzt. Es ist darauf
zu achten, vom Klebestreifen weg in Richtung der Modelloberfläche
zu sprühen, da sich ansonsten die Farbe am Klebeband ansammelt.
Dies würde hässliche Farbränder ergeben. Solange die
zweite Schicht noch nicht vollständig getrocknet war, wurden
mit einer Skalpellspitze kleine Kratzer geritzt. Dies soll Beschädigungen
der obersten Farbe simulieren, die nur bis zur zweiten Lackschicht
durchgedrungen waren.
Ein
Washing des gesamten Panzers mit den Ölfarben "Burnt Umbra"
und "Lamp Black", die zu 95% mit Terpentinersatz verdünnt
wurden, schließt den ersten Teil der Bemalung ab. Alle Markierungen
außer jener der Wüstenratte am rechten Kettenblech wurden
nach dem Abkleben der entsprechenden Stellen mit der Airbrush angefertigt.
Die Zahl 40 und die Serialnummern an beiden Seiten der Wanne habe
ich mit schwarzen Abreibezahlen der Firma Letraset hergestellt, welche
auf eine weiße Grundierung geklebt wurden. Nach dem Besprühen
mit olivgrüner (bzw. beim 40er mit roter) Farbe wurden die Abreibezahlen
mit einem Klebeband wieder entfernt. Dort, wo ehemals die Zahlen klebten,
kam wieder - wie gewünscht - die weiße Grundierung zum
Vorschein.
Weitere
Kratzer entstanden nun mittels einem 00-er Pinsel und stark verdünnten
grau-braunen Acrylfarben. Größere Lackschäden innerhalb
der grünen Tarnflächen erhielten noch einen winzigen Rand
der gelben Basistarnung. Ein weiteres Detail-Washing entlang der Lukenränder
und sonstiger Vertiefungen leitet die endgültige Verschmutzung
und Verwitterung ein. Zuerst wird gefiltert: verschiedene Ölfarbtupfer
verwischt man mit einem breiten Terpentin-befeuchten Pinsel. Ein leichtes
Trockenmalen mit Ölfarben folgt darauf. Dazu muss man die zwei
Tarnfarben des Panzers in helleren Nuancen durch Zusammenmischen verschiedener
Ölfarben annähernd nachvollziehen. Ockerfarbene und weiße
Ölfarben als Washing in einigen Vertiefungen simuliert die Ansammlung
von Sand und Staub. Zusätzlich werden mit einem breiten Pinsel
sandfarbene Pigmente trocken aufgetragen. Somit verstärkt sich
die staubige Wirkung nochmals. Metallische Stellen an Ketten und bei
den Luken habe ich durch Reiben mit einem weichen Bleistift dargestellt.
Zuletzt kommt nochmals die Airbrush "zu Ehren", wenn eine
feine seidenmatte Schicht an einzelnen Stellen des Turms aufgespritzt
wird.
Der M13/40:
Für
den Zusammenbau des Fahrzeugs hatte ich eigentlich zwei Modelle vorgesehen:
den von Zvezda und den von Tamiya. Beide stellen zwar einen M 14/41
dar, aber die kleinen Unterschiede sind leicht zu beheben. Nachdem
allerdings der Tamiya-Bausatz weitaus schlechter detailliert ist,
wurde nur die Seitenausstiegsluke dieses Bausatzes verwendet. Noch
kurz zu den Unterschieden zwischen dem früher eingeführten
M13/40 und dem M14/41:
Das spätere Modell hatte einen leistungsfähigeren Dieselmotor,
was man von Außen aber nicht leicht feststellen kann. Markantestes
äußeres Merkmal des M13/40 ist die parallel zur Wannenseite
verlaufende Anordnung der Kühlergrillöffnungen.
Weniger hervorstechend, jedoch für "Nietenzähler"
oft sehr wichtig sind die je zwei Nieten oben und unten an der Bug-MG
Manschette, statt je 1 beim M14/41.
Alle weiteren häufig in der Literatur angeführten Unterscheidungsmerkmale,
wie der Antennensockel am Panzergehäuse rechts, späte Abdeckung
für den Ventilator am Heck, die zwei gepanzerten konischen Abdeckungen
für die Periskope am Turmdach und fehlende hintere 2/3 der Kettenabdeckungen
können sowohl bei späten 13/40ern aber auch bei 14/41ern
vorkommen.
Da mein Panzer dem Bataillonskommando des IX. Panzerbataillons angehört,
habe ich auch die Antenne montiert.
Der Zusammenbau erfolgte aus den erwähnten Gründen großteils
dem Zvezda-Bauplan folgend. Weil durch die Darstellung als zerstörter
Panzer allerdings einiges von der Inneneinrichtung des Turms und des
Motorraumes zu sehen ist, wurden einige Ergänzungen selbst angefertigt.
Nach einem Vorbildfoto entstanden - allerdings mit starker "künstlerischer
Freiheit" - Teile der Turmeinrichtung.
Der
Motor ist ein zweckentfremdeter SdKfz 251er Antrieb, der etwas umgebaut
wurde. Der Schriftzug "SPA" entstand aus gebogenem Bleidraht.
Der linke Trägerrahmen der Motorraumklappe wurde teilweise heraus
gebrochen und der hintere Verstaukasten aus Kupferblech neu hergestellt,
um ihn anschließend zu durchlöchern und zu verbiegen. Die
Motorraumklappe wurde aus Plastik- und Blechteilen neu aufgebaut.
Neben
den vorderen Teilen der Kettenabdeckung bewährt sich der Ätzteilsatz
von Eduard vor allem für den Austausch der M14/41 Kühlergrills
des Bausatzes. Den linken der beiden habe ich etwas verbogen, um weitere
Beschussschäden darzustellen. Der untere Einschuss in der Wanne
wurde in beide Richtungen mit einem Skalpell in Form eines geraden
Schnitts erweitert, da der italienische Stahl bei Treffern wegen seiner
schlechten Güte zum Brechen neigte.
Die Bemalung erfolgte grundsätzlich analog den Methoden, wie
sie beim Stuart/Honey beschrieben wurden. Ich werde mich daher auf
die Darstellung der Brandschäden beschränken. Diese werden
nach dem Grundieren mit der Tarnfarbe durch Spritzen des Motorraums
und Teilen des Turms mit schwarzer Acrylfarbe eingeleitet. Nach dem
ersten Washing wurden die Brandstellen außen mit verschiedenen
Rot-, Orange- und Brauntönen mittels Airbrush vorbehandelt.
Die
dunkleren Farben kommen dabei im Zentrum, die helleren an der Peripherie
des Brandherdes zum Einsatz. Dann habe ich mit dem Pinsel unter Verwendung
einer stark verdünnten, orangenen Vallejo Farbe jene Stellen
bemalt, die dünnwandiges Metall darstellen. Wiederum mittels
Airbrush habe ich etwas Schwarz für die Russdarstellung aufgespritzt.
Weitere Nuancierungen erhält man durch die Verwendung von hellen,
mittleren und dunklen rostfarbenen Pigmenten. Diese Pigmente werden
von ASOA in günstigen 100ml Behältern angeboten.
Kleiner Exkurs zum Thema Rost:
Üblicherweise herrscht in Nordafrika geringe Luftfeuchtigkeit,
sodass auf dort eingesetzten Fahrzeugen selten starke Rostentwicklung
zu beobachten ist. Daher habe ich die beiden Panzer im Allgemeinen
auch nicht stark verrostet. Anders verhält es sich jedoch, wenn
Brand im Spiel ist. Durch die starke Hitzeentwicklung wird anscheinend
der Stahl oberflächlich mit einer Art Flugrost überzogen,
was sehr rasch nach Ende des Brandes zu beobachten ist. Viele Farbbilder
von zerstörten irakischen Panzern des Golfkrieges beweisen diese
Tastsache.
Die
(teilweise) verbrannten Holzelemente der Ausrüstung am Heck des
M13/40 entstanden aus Furnierholz, das ich tatsächlich mit dem
Feuerzeug "behandelte". Weitere Detaillierung erzielte ich
durch Auftupfen verdünnter grauer Ölfarbe. Die Asche der
verbrannten Laufrollengummis und von Holzteilen des Werkzeugs stellte
ich wie folgt dar: Von einer Messerspitze wurden kleine weiße
Pigmenthäufchen auf die Laufrollen und die Ketten gestreut. Diese
Häufchen wurden dann mit einem Tropfen Verdünner fixiert.
Die Figuren
Die
Besatzung des Stuart wurde in Scratchbauweise aus deutschen Panzersoldaten
umgebaut. Gute Dienste leisteten mir dabei zwei verschiedene Modelliermassen:
Magic Sculp und Duro. Man kann diese auch miteinander mischen. Beide
sind 2-Komponenten-Modelliermassen, die durch Kneten vermischt werden
und anschließend langsam aushärten. Magic Sculp ist sehr
fein in seiner Konsistenz und lässt sich mit einem feuchten Pinsel
weich verstreichen. Duro ist zäh-elastisch, etwas gröber
und kann gut für das Herstellen von selbst tragenden Strukturen,
wie Fahnen oder geschwungenen Mantelschößen aber auch zum
Gestalten von Haaren verwendet werden.
Auch
die italienischen Figuren mussten mit diesen Hilfsmitteln selbst gestaltet
werden, wobei der in der Panzerluke aus einem US-Panzersoldaten von
Verlinden entstand. Für den am Boden sitzenden habe ich als Modellierbasis
einen sitzenden Briten von Tamiya hergenommen. Beide Italiener bekamen
neue Köpfe der Firma Modell Victoria.
Das Diorama:
Bei
Dioramen des afrikanischen Kriegsschauplatzes hat der Modellbauer
den Vorteil, dass die wenig strukturierte Landschaft das Auge des
Betrachters nicht vom Kern der Szene ablenken kann. Manche Bastler
bedauern das und so wird die Wüste oft zu einem quirligen Eventpavillon
umfunktioniert. Allerdings sollte sich die Darstellung der Einfachheit
nicht im Aufschütten eines Haufens Fluss- oder Original-Wüstensand
erschöpfen. Ich habe daher unter den italienischen Panzer hinten
einen kleinen Hügel und vorne eine kleine Grube angelegt. Das
soll das Elend der Situation der Italiener darstellen. Der britische
Kontrahent hingegen "thront" sozusagen auf ebener Fläche
etwas über den Unglücklichen.
Die
Struktur des Sandes habe ich durch einige Kieselsteine und drei Dornbüsche
aufgelockert. Die Büsche entstanden aus getrockneten Fäden,
wie sie auf jungen Maiskolben zu finden sind. Um sie etwas stabiler
zu bekommen, wurden sie mit dünnflüssigem Sekundenkleber
beträufelt. Der Sand stammt aus einem Fluss und wurde mit Wasser
und Weißleim sowie sandfarbenen ASOA-Pigmenten zu einer Masse
vermischt. Diese Masse habe ich auf die, mit Gipsbandagen bedeckte
Styroporoberfläche mit einer Spachtel und einer Messerklinge
aufgebracht. In die feuchte Sandmasse wurden gleich die Kiesel und
die Panzerspuren eingedrückt.
Auch der M13/40 verblieb bereits jetzt am Diorama. Der Stuart hingegen
wurde erst nach dem Austrocknen der Basis mit einer Schraube von unten
daran befestigt. Einige Lagen verschiedener sandfarbiger und rotbrauner
Schichten mit der Airbrush lockern den Wüstenboden farblich etwas
auf.
Ruß- und Blutspuren und das Ankleben der Italiener schließen
dieses Werk ab.
Quellen:
Druckwerke:
N. Pignato, D. Greer: "Italian Medium Tanks in action", Squadron
Signals Nr. 39;
P.S. Jowett, S. Andrew: "The Italian Army 40-45 (1), Europe 40-43",
Osprey Men at Arms 200, Nr. 340;
F. de Lannoy: "Afrikakorps 41-43", Heimdal 2002
H. Büschleb : "Feldherrn und Panzer im Wüstenkrieg :
die Herbstschlacht 'Crusader' im Vorfeld von Tobruk 1941", Vowinkel
Verl. 1966.
Internet:
Hyper Scale (http://hsfeatures.com/features04/m1340jl_1.htm)
Model Victoria: T-Factory Review Italian M13/40 by Nicolas Virtue
(http://www.tfactory.org/modules.php?op=modload&name=Reviews&file=
index&req=showcontent&id=8